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Viele Autofahrer suchen nach einem mobilen Navigationsgerät, das man nicht nur im Auto, sondern auch für Radtouren und Wanderungen benutzen kann. Jetzt kommen erste Hybrid-Navis auf den Markt.

Mobile Navigationsgeräte sind unter bestimmten Umständen mit Vorsicht zu genießen. Das erfuhren zahlreiche Lkw-Fahrer am eigenen Leib, die ein kleines Dorf in Wales passieren wollten. Sie blieben stecken, weil die Straße zu eng für die großen Fahrzeuge war. Die Fahrer waren ihren Navigationsgeräten gefolgt, denen offenbar die Information fehlte, dass die Straße für große LKW nicht befahrbar ist.
Mark Simpson entwarf daraufhin ein neues Verkehrsschild, das nun darauf hinweist, dass LKW-Fahrer an diesem Ort nicht ihrem GPS-Gerät folgen sollten.
Wären die Folgen so dramatisch wie bei Lkws, gäbe es sicherlich auch Schilder, die Radfahrer oder Fußgänger davor warnen, ein Navigerät zu benutzen. Als Radfahrer wird man zwar nicht auf eine Autobahn geleitet. Aber Radwege über Wiesen, Felder und durch Wälder kennt das Navi nicht und so werden Radler über Bundesstraßen geschickt. Auch in der Stadt sollte man lieber selbst nach Radwegen Ausschau halten, als einem Navi über vielbefahrene Straßen zu folgen.
Für Fußgänger sind Einbahnstraßen in der verkehrten Richtung und Fußgängerzonen kein Problem, die für den Autoverkehr gesperrt sind. Aber den kürzesten Fußweg durch einen Park oder entlang eines Flusses zeigt das Navi nicht an, sondern schickt auch Fußgänger auf die Straße.

Dabei wird die Frage, ob sich ein mobiles Navigationsgerät auch auf dem Fahrrad einsetzen lässt, von interessierten Kunden am häufigsten gestellt. Zu Recht, schließlich versprechen vor allem die Anbieter kleiner handlicher Navigeräte, dass man damit nie mehr die Orientierung per Auto, Fahrrad oder zu Fuß verliere. Dieses Versprechen ist trügerisch.
Vom Nutzen der Profile
In den Optionen für die Routenberechnung kann man bei den meisten Navigationsgeräten zwischen langsamen, mittleren und schnellen Pkw wählen, Profile für Lkw, Caravane und Motorräder aktivieren oder die Einstellungen „Fahrrad" oder „Fußgänger" anklicken. Die Profile sollen bei der Routenberechnung dafür sorgen, dass die Eigenheiten des Verkehrsmittels berücksichtigt werden. Für einen schnellen Pkw eignen sich andere Routen als für einen langsamen. Technisch gesehen sorgen die Profile dafür, dass Straßen und Wege mit bestimmten Attributen ausgeschlossen oder bevorzugt werden. So werden zum Beispiel im Profil „schneller Pkw" Schnellstraßen und Autobahnen bevorzugt, auch wenn dabei vielleicht ein längerer Weg herauskommt.
Bei Lkws sollten dagegen enge und kleine Straßen, vor allem bei Ortsdurchfahrten gemieden werden. Außerdem muss ein Lkw-Fahrer die Durchfahrtshöhe von Unterführungen und im Gebirge die Steigungen beachten. Bei normalen Navis sind diese Informationen jedoch nicht vorhanden. Sie können weder angezeigt noch in die Routenberechnung einbezogen werden. Im schlimmsten Fall wird der Lkw-Fahrer auf eine unpassierbare Strecke geschickt.
Ebensowenig funktioniert die Navigation für Radfahrer, weil beispielsweise das Attribut „Radweg" zu einer bestimmten Straße vom Anbieter des Navigerätes nicht lizenziert oder von der Software nicht berücksichtigt wird. Ausgesprochene Rad- oder Fernwanderwege sind von Navteq und TeleAtlas, den größten Anbietern von Geodaten, nicht einmal digital erfasst. Daran wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern. Navteq zum Beispiel konzentriert sich nach eigenen Aussagen auf die Anforderungen der Autonavigation. Schließlich ist dies der deutlich größere und immer noch wachsende Markt.

Topografische Karten
Für Lkw-Fahrer gibt es spezielle Navigationssysteme, die unter anderem Fahrbahnbreiten, Durchfahrtshöhen und Steigungen berücksichtigen — meist in Verbindung mit einem Flottenmanagement für Logistik-unternehmen. Wer dagegen GPS-Unterstützung für Radtouren und Wanderungen sucht, war bisher auf die Outdoor-Geräte von Garmin oder Magellan angewiesen. Diese sind jedoch nicht mit den einfach zu bedienenden und anschaulichen Navis für das Auto zu vergleichen.
Anfangs gab es nur Handgeräte mit einem kleinen Schwarz-Weiß-Display, vergleichbar mit der Geko-Serie von Garmin, die Geokoordinaten, Zeit, Höhenprofile, Himmelsrichtungen etc. wiedergaben. Später kamen Geräte mit monochromen oder auch Farbdisplays hinzu, die auch Karten darstellen, wie die eXplorist-Reihe von Magellan, und mittlerweile auch Routing-Funktionen besitzen, wie die eTrex-Serie von Garmin. Magellan will diesen Monat mit der Triton-Serie eine Reihe von Outdoor-Navis auf den Markt bringen, die zum Teil sogar mit einer 2-Megapixel-Kamera und einer Funktion für Audioaufnahmen ausgestattet sind.
Dabei geht es jedoch immer vorrangig um das Freizeitvergnügen, eigene Routen aufzuzeichnen und anschließend am PC auf einer Karte darzustellen. Außerdem lassen sich Touren am Rechner planen oder fertige Touren aus dem Internet laden und für den nächsten Ausflug auf das GPS-Gerät übertragen. Die Grundlage sind topografische Karten, auf denen natürlich auch Rad- und Wanderwege sowie Stadtpläne enthalten sind. Das Routing beschränkt sich jedoch, wenn überhaupt, auf markierte Straßen in einer 2D-Ansicht, eine beschränkte Zoom-Stufe und Abbiegehinweise in Form von Text und Richtungspfeilen. Zudem benötigt man für eine bedienerfreundliche Nutzung dieser Geräte spezielle Karten, die recht teuer sind: zwischen 50 und mehreren Hundert Euro. Etwas Abhilfe schafft die Firma MagicMaps. Sie stellt digitale topografische Karten her und versucht sie damit einem größeren Kreis von Interessenten außerhalb der Outdoor-Fangemeinde zugänglich zu machen. MagicMaps stellt die amtlichen topografischen Kartenblätter der Landesvermessungsämter im Maßstab 1:25.000 zu größeren Kartenwerken für die jeweiligen Bundesländer zusammen. Diese Karten werden mit 3D-Ansichten auf DVDs für je 49,95 Euro angeboten und lassen sich über die mitgelieferte Kartografie-Software auf dem PC öffnen. Die Karten selbst lassen sich allerdings nur auf Pocket PCs übertragen,nicht dagegen auf die zuvor genannten Outdoor-Geräte von Garmin oder Magellan. Übertragbar sind vielmehr nur die zuvor am PC geplanten Touren, die die Geräte in einem Navigationsmodus darstellen. Dieser Navimodus ist noch nicht mit den dynamischen Kartendarstellungen der Autonavis vergleichbar, die sich durch eine 3D-Ansicht auf die Straße und automatische Zooms auszeichnet. MagicMaps2go zeigt vielmehr den aktuellen Standort auf oder neben der markierten Route an, dreht die topografische Karte in Bewegungsrichtung mit und zeigt im oberen Drittel des Bildschirms einen Richtungspfeil für den weiteren Weg. Außerdem finden sich dort Daten zur Tourlänge, zur zurückgelegten und zur verbleibenden Strecke sowie zur Fortbewegungsgeschwindigkeit. Mit MagicMaps Scout hat das Unternehmen jetzt ein Paket geschnürt, das die topografischen Karten mit 3D-Ansichten und Navigationsmodus auf die mobilen Auto-Navigeräte aus der E- und N-Serie von Falk bringt. Im Scout-Paket für knapp 100 Euro befinden sich eine DVD mit Kartenmaterial für das Bundesland der Wahl, eine so genannte Freizeitkarte Deutschland im Maßstab 1.100.000, vorinstalliert auf einer 1-GByteSD-Karte, GPS-Radtouren in Deutschland und Österreich von einer Länge von ca. 40.000 Kilometern.
Außerdem sind eine Fahrradhalterung und ein Ladegerät mit Batterien enthalten, um die Akkulaufzeit des Falk-Gerätes auf bis zu 24 Stunden zu verlängern. Nach dem Start des Navis entscheidet man sich auf einem Startbildschirm entweder für die Auto-Navigation von Falk oder für die topografischen Karten von MagicMaps. Auf diese Weise werden erstmals auf einem so genannten PND (Personal Navigation Device) auch Rad- und Wanderwege verfügbar. Indem geplante Touren in einem Navigationsmodus verfolgt werden, wird der PND erst wirklich zu einem Navigationsgerät nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Radler und Fußgänger. Für Pocket PC, Palm- und GPS-Geräte von Garmin oder Magellan gibt es neben MagicMaps weitere Software-
Anbieter, um die Navigationsdaten sowie das Kartenmaterial zuverarbeiten: Weit verbreitet sind insbesondere Fugawi, das von Garmin vertrieben wird, sowie Touratech QV, die beide jeweils rund 150 Euro kosten. In diesem Preis ist das Kartenmaterial selbst aber noch nicht enthalten, sodass je nach Gebiet Kartenart nochmals 20 bis 100 Euro dazukommen.

Hybride Navis
Das erste hybride Komplettsystem,. das sowohl für Auto- als auch für Outdoor-Navigation verwendet werden kann, hat Magellan mit dem Crossover GPS auf den Markt gebracht. Auf den ersten Blick sieht es wie ein gewöhnliches mobiles Navigationsgerät mit einem 3,5-Zoll-Display aus. Auf einer SD-Speicherkarte sind die Straßenkarten von D/A/CH (oder anderen Regionen) installiert. Darüber hinaus ist das Gerät aber auch wasserdicht, hat laut Hersteller eine Akkulaufzeit von 8 Stunden und enthält vor-installiert eine topografische Basiskarte von Europa. Diese lässt sich optional durch eine so genannte MapSend Topo 3D-Karte für Deutschland ergänzen. Sie enthält detailliertere Daten mit Höhenlinien, Wanderwegen, Wäldern und vielen Sonderzielen. Derzeit sind Karten für Frankreich und USA für 69 Euro auf CD erhältlich. Das Crossover GPS kostet 449 Euro.
Außerdem ist das Crossover GPS auch fürAusflüge auf küstennahen Gewässern ausgerüstet, da es eine vorinstallierte Basiskarte mit Seezeichen, Bojen und Leuchttürmen enthält. Auch diese Karte lässt sich optional durch Seekarten ergänzen, die Magellan als MapSend-BlueNav Karten bezeichnet.

Zusätzlich hat Magellan die Desktop-Software VantagePoint entwickelt, mit der sich Kartenmaterial und andere Daten zwischen PC und Navi austauschen lassen. So können auf dem Rechner Wegpunkte oder Touren aus dem Internet geladen oder selbstständig auf den Karten erstellt und dann übertragen werden. Für die Planung einer Berg- oder Radtour steht eine eigene Funktion zur Verfügung, die die Tour analysiert. Ab sofort soll die Software VantagePoint zur Standardausstattung auch der Auto-Navis gehören. Auf diese Weise können zum Beispiel die neuen Geräte der Maestro-Serie, die Modelle 3100 und 3140, um topografische Karten ergänzt werden.
Auch das Unternehmen MyGuide aus Hongkong hatte zur CeBIT ein HybridNavi mit dem Titel Splash angekündigt, das allerdings noch nicht auf dem Markt ist. Es hat mit seinem 3,5-Zoll-Display auf den ersten Blick ebenfalls die Abmessungen eines Auto-Navi. Darüber hinaus soll es jedoch auch wasserabweisend sowie unempfindlich gegen Erschütterungen und Temperaturschwankungen sein.

Neben dem üblichen Weg, per Fingertip die Fußgänger- oder Radfahr-Navigation zu starten, soll es eine interessante Variante bieten. Laut Hersteller erkennt das Gerät nämlich anhand der GPS-Daten, ob es sich auf einer Straße, einer Skipiste oder einem Wanderweg befindet und schaltet dementsprechend zwischen Straßen- und topografischen Karten um. Zum Umfang der Straßenkarten und zum Preis von MyGuide Splash ist noch nichts zu erfahren.

Touren und Tracks
Obwohl mit den Hybrid-Navis ein erster Schritt getan ist, um den Nutzern von mobilen Navigationsgeräten auch den Einsatz ihrer Geräte auf Rad- und Fußwegen zu ermöglichen, handelt es sich um eine ganz andere Art der Navigation. Im Gegensatz zu den flächendeckenden Straßenkarten, auf denen die flexible Berechnung von Routen hausnummerngenau funktioniert, stehen für topografische Karten nur einzelne Touren und Wegnetze zur Verfügung. Da man Radtouren und Wanderungen aber ohnehin in den meisten Fällen nur innerhalb eines begrenzten Gebietes unternimmt, ist kein flächendeckendes Kartensystem notwendig. Auch die dynamische 3D-Ansicht bei der Autonavigation ist wegen der geringeren Geschwindigkeit beim Radfahren wenig sinnvoll. Schließlich setzen die meisten Radfahrer ihre GPS-Geräte in der Freizeit ein und wollen den Weg genießen. Sie benötigen kein digitales Abbild der Landschaft. Ist die Navigation mit topografischen Karten im mobilen Auto-Navi integriert, können sie vielmehr zwei Anwendungen auf einem Gerät nutzen und damit ganz eigene Funktionen für Radtouren und Wanderungen erschließen, wie beispielsweise die Aufzeichnung des zurückgelegten Weges.
Radsportler oder Radwanderer können dagegen auf eine spezielle Routenplaner-Version für den PC zurückgreifen. Der RadRoutenPlaner 5.0 aus dem TVG Verlag kennt zwar auch keine Radwege, hilft aber bei der Planung von Streckenabschnitten und Übernachtungen, erstellt Höhenprofile und exportiert die geplante Strecke auf GPS-fähige Geräte.
Eine Ausnahme stellt der Online-Radroutenplaner NRW dar. Hiermit lassen sich tatsächlich Radwege zwischen beliebigen Orten berechnen, rund 20.000 Kilometer Radwege sind dafür hinterlegt. Darüber hinaus stehen Suchfunktionen für Adressen und Sehenswürdigkeiten zur Verfügung.
Routenbeschreibungen und die so genannten GPS-Tracks, die sich auf einem Navigerät mit topografischen Karten laden lassen, gibt es dagegen im Internet in Mengen. Einige Portale wie GPS-Tour, GPS-Tracks oder Das-Rad-ruft.de sammeln die Beschreibungen von Nutzern und stellen sie für jedermann zum Download zur Verfügung.

Fazit
Bis es handliche Navigationsgeräte gibt, deren Kartenmaterial auch Rad- und Wanderwege enthält und die nahtlos zwischen Au-to-Navigation und Freizeittour umschalten können, ist es noch ein weiter Weg. Bis dahin muss man sich mit der digitalen Variante der Landkarte zufriedengeben, die immerhin Touren aufzeichnen kann.







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